Hochbeet in Permakultur

Permakultur in der Stadt bedeutet, dass man kleine und bisher ungenutzte Flächen, dafür verwendet, Lebensmittel selber zu erzeugen, und das vollkommen chemiefrei und so, dass man wenig Ressourcen verbraucht, also alles, was man dafür benötigt, selber herstellt und die Abfälle dann auch wieder in den Kreislauf einbringt. Permakultur steht für dauerhafte Landwirtschaft, was bedeutet, es wird auf Multifunktionalität Wert gelegt. Das einfachste Beispiel ist der Komposthaufen, auf dem Dinge aus der Natur wiederverwertet und Kreisläufe genutzt werden. Es geht dabei aber auch um den Erhalt von alten Sorten, um Vielfalt statt Monokultur. Bill Mollison, Gründer der Permakultur, drückte es so aus: „Permakultur ist ein Tanz mit der Natur, bei dem die Natur führt.“
Viele Menschen, die in der Stadt leben, haben derzeit ihre Leidenschaft für das Gärtnern entdeckt, auch wenn sie gar keinen Garten besitzen, dafür aber einen Balkon oder eine kleine Terrasse ihr eigen nennen. Schon auf wenigen Quadratmetern mitten in der Stadt kann man erfolgreich Kräuter, Gemüse und Salat anbauen, das funktioniert vor allem dann, wenn man nach dem Prinzip der Permakultur gärtnert: also ohne chemische Dünger, ressourcenschonend und im Einklang mit der Natur. Schon einfachste Mittel genügen, um ein Hochbeet anzulegen, etwa eine Holzkiste oder eine Bäckerkiste aus Kunststoff. Dieses Pflanzgefäß wird zuerst mit zerkleinerten Ästen ausgelegt, wobei das Holz  die Feuchtigkeit speichert und  langsam zu Humus verrottet. Auf die Äste können dann Rasensoden, Blätter und Ähnliches geschichtet werden und darauf dann die Kulturerde, selbst gemischt aus Waldboden und Lehm. Die Schichtung verschiedener, verrottbarer Materialien im Inneren des Hochbeets dient als Drainage, Isolierung, Verstärker bei der Kompostierung, Dünger und zur Schädlingsabwehr. Durch die Kompostierung entsteht neben wichtigen Nährstoffen zusätzlich Wärme im Beet. Am besten eine Nod-Süd-Ausrichtung der Längsachse, um maximale Sonneinstrahlung zu gewähren. Vorteilhaft ist ein Windfang in einigen Metern Abstand nördlich des Beets wie z.B. eine Hecke oder eine Mauer, um kalten Wind abzuhalten.

Aus ökologischen Gründen ist es dabei wichtig ist, dass die Erde keinen Torf enthält. Wichtig bei den solchen Hochbeeten ist, dass die Erde gemulcht ist, d. h., einfach Rasenschnitt oder Heu aus der Nachbarschaft holen und die Erde damit abdecken, denn das verhindert die Austrocknung des Bodens und sorgt für sanfte Wärmeregulation.

Damit kann man regelmäßig Kräuter wie Schnittlauch, Salbei, Thymian, Basilikum und Lorbeer ernten, aber auch Gemüse, wie Kartoffeln, Topinambur, Rote Beete, Paprika, Kohl und Chili. Sogar Früchte gedeihen auf dem Balkon, wie Äpfel, Johannisbeeren, Stachelbeeren. Durch geschickte Raumeinteilung können sogar auf einem Südbalkon unterschiedliche Klimazonen entstehen, denn ein Einkaufswagen bietet Platz für ein sonniges Oberdeck und ein schattiges Untergeschoss, wo sich dann auch Walderdbeeren wohlfühlen. Große Pflanzen können kleineren Pflanzen Schatten spenden, Geländer oder Kisten schützen vor Wind. In Regalen an der Wand können noch mehr Etagen übereinander geschaffen werden, die alle das Sonnenlicht nützen. So kann auf kleinster Grundfläche auch raumgreifender Salat in ausreichender Menge gedeihen.
Auf einem Balkon oder einer Terrasse kann man im Sinne der Permakultur auch die Kreisläufe der Natur nutzen, denn für das Gießen sammelt man Regenwasser und Erde und Kompost gewinnt man aus seinen Küchenabfällen. Allerdings muss man dabei auf die Hilfe von kleinen gefräßigen Helfern setzen, den Kompostwürmer, denn die verarbeiten in einer eigens eingerichteten Wurmfarm Gemüse- und Obstabfälle, Papierschnitzekl, Kartonagenschnitzel und sogar den Inhalt von Staubsaugerbeuteln zu wertvoller Erde.


RP-online vom 5. Oktober 2016 berichtet, dass auf seinem Hof in Twistenden Kurt Walter Lau Permakultur betreibt. „Gentechnikfreie Zone“ steht an der Holztür. Dahinter verbirgt sich ein großer, gepflasteter Platz, auf dem sich einige Hochbeete befinden. Kurt Walter Lau hält eine Gießkanne in der Hand. „Die letzte ihrer Art“, sagt er und weist auf die orangefarbene Zucchini hin, die sich unter einem Blättergewirr verbirgt. Die Erntezeit für Zucchini ist vorbei. Dafür wuchert das Beinwell noch fleißig, und Lau hat schon neue Ideen, was ins Hochbeet kann. „Feldsalat“, sagt er. Denn das ist ein toller Wintersalat. Solche Hochbeete könne eine Familie mit bis zu vier Personen über den Sommer weitestgehend mit Gemüse und Kräutern versorgen, sagt Lau. Stichwort: Selbstversorgung. Zielgruppe sind insbesondere junge Familien und junge Paare. Für den 62-Jährigen ist das allerdings ein alter Hut. Sein Lebensthema ist Permakultur. Das greift weiter als nur die reine Selbstversorgung. „Unser Denken geht vom Boden aus. Ist der Boden gesund, ist die Pflanze gesund, und der Mensch bekommt daraus alle Nährstoffe.“ (…) „Im Zuge der vielen Lebensmittelskandale, sind die Leute ans Überlegen gekommen. Es muss auch anders gehen“, sagt Gabriele Freitag-Lau. Ihr Mann mahnt: „Es geht alles in die falsche Richtung. Der Niederrhein vermaist immer mehr, der Mais laugt den Boden aus, der wird mit Chemikalien behandelt, die Bodenlebewesen zerstören.“ Die Permakultur, die jeder in seinem Garten als Selbstversorger betreiben kann, stellt ein Gegengewicht dar.

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