Hochbeet und Fluglärm

Hochbeete auf Terrassen werden in manchen Fällen vom Fluglärm beeinträchtigt, wenn etwa die Einflugschneise oder Abflugschneise eines größeren Flughafens über diese Terrasse führt. Zwar sind bis dato keine direkten Auswirkungen auf das Wachstum der Pflanzen im Hochbeet bekannt, doch die Gärtner und Gärtnerinnen werden unter Umständen in ihrer Arbeit irritiert, sodass sich indirekte Auswirkungen auf das Gedeihen ergeben könnten. Das wäre etwa der Fall, wenn ein Gärtner mit einer Lärmphobie das tägliche Bewässern vermeidet, um nicht den Belastungen durch den Fluglärm der ankommenden und abfliegenden Luftfahrzeuge gestört zu werden.

Einiges Grundsätzliches zur Lärmbelastung durch Flugzeuge: Zwar sind Flugzeuge in den vergangenen Jahren leiser geworden, das Aufkommen aber ist deutlich gewachsen, sodass das subjektive Empfinden von Menschen, dass ihre Umgebung lauter geworden ist, oft auf dieses Mehr an Flugzeugen zurückgeht, denn es gibt weniger Pausen zwischen den Spitzen. Umfragen ergaben, dass sich gut die Hälfte der Bevölkerung im Wohnumfeld vom Lärm des Straßenverkehrs gestört oder belästigt fühlt, wobei beim Fluglärm etwas mehr als ein Fünftel diese Belästigung empfindet. Lärm ist unerwünschter Schall, d. h., er beeinträchtigt Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit des Menschen und langfristig auch dessen Gesundheit. Ab 80 Dezibel gefährdet Schall das Gehör, ab 85 Dezibel muss etwa am Arbeitsplatz Gehörschutz sichergestellt sein. GärtnerInnen auf der Terrasse müssten daher einen Lärmschutz verwenden, um ihrer Arbeit nachgehen zu können! Im unteren Schallpegelbereich gibt es übrigens eine große Variationsbreite, was Menschen als Lärm empfinden und was nicht, wobei es deutliche Unterschiede in der Lärmempfindlichkeit gibt. Menschen sind dabei anfälliger für Lärm immer dann, wenn dieser eine der Tätigkeiten unterbricht, vor allem, wenn man unter Stress steht. Auch der Lärmverursacher spielt eine Rolle, denn wenn man der Freund eines Fluzeugpiloten ist, verzeiht man ihm eher, wenn er über das Haus fliegt, als wenn das ein Unbekannter tut.

Das Lärmempfinden hängt übrigens von der Persönlichkeit ab!

Lärm ist in der menschlichen Umgebung allgegenwärtig, wobei manche Menschen gegenüber Lärm toleranter als andere sind. Schon lange ist bekannt, dass die Persönlichkeit von Menschen mit der rein subjektiven Einschätzung des Hörens zusammenhängt, denn Menschen, die sich oft Sorgen machen, tendieren auch dazu, eine geringere Lärmtoleranz zu besitzen. Dieses Phänomen wurde von Wöstmann et al. (2021) auch in der audiologischen Praxis untersucht, und zwar bei der Anpassung neuer Hörgeräte. Um das subjektive Hörvermögen zu messen, wurden die ProbandInnen zunächst gebeten, die Lautstärke eines störenden Murmelns im Hintergrund so einzustellen, dass es gerade noch tolerierbar war. Wöstmann et al. (2021) zeigten in ihren Versuchn nun das Erklärungspotenzial der Big-5-Persönlichkeitsmerkmale Neurotizismus (emotional instabil) und Extraversion (enthusiastisch, kontaktfreudig) für die subjektive Selbsteinschätzung und objektive psychoakustische Messgrößen des Hörvermögens bei Lärm. Unter Kontrolle der demografischen Merkmale erklärte niedriger Neurotizismus und höhere Extraversion unabhängig voneinander eine stärkere selbstberichtete Lärmresistenz, ein besseres Sprachhörvermögen und einen größeren noch akzeptablen Hintergrundgeräuschpegel. Überraschenderweise nahm die objektive Erkennung von Sprache im Störgeräusch mit einem höheren Neurotizismusniveau wieder zu. Die Verzerrung bei der subjektiven Überbewertung des eigenen Hörvermögens bei Lärm wiederum nahm mit höherem Neurotizismus ab, stieg aber mit höherer Extraversion an. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Persönlichkeit interindividuelle Unterschiede bei der Bewältigung von Umgebungslärm erklären kann, der eine permanente Quelle der Ablenkung und auch ein Gesundheitsrisiko darstellt. Für eine gute Anpassung von Hörsystemen müssten daher mehr individuelle Randbedingungen der Hörbeeinträchtigten berücksichtigt werden.

Literatur

Stangl, W. (2021). Hängt das subjektive Lärmempfinden auch von der Persönlichkeit ab? – bemerkt. Was Stangl so bemerkt.
WWW: https://bemerkt.stangl-taller.at/haengt-das-subjektive-laermempfinden-auch-von-der-persoenlichkeit-ab (21-11-11).

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